Ivo Hennemann

Namensgeber unserer Schule

Die Archivarin der Stadt Bad Staffelstein, Frau Adelheid Waschka, suchte für uns einige Informationen zum Namensgeber unser Schule.

Hierfür vielen herzlichen Dank. Nun können Sie hier etliches Wissenswertes nachlesen:

Ivo Hennemann (1824–1900) –  Eremit und „Idol“ seiner Zeit

Bei Eremiten handelte es sich ursprünglich um Wüstenbewohner, die in der Einsamkeit Gott erfahren und innerhalb der Wüstenwanderung  – nach dem Vorbild von Jesus Christus – ihr Herz für den christlichen Glauben frei machen wollten.

In Franken etablierte sich das Eremitentum nach dem Dreißigjährigen Krieg, Ende des 17. Jahrhunderts, als die Gegend nach all dem Morden, dem Hungern und den Seuchen dünn besiedelt war.

Die Einsiedler bekamen Plätze in der Nähe von Wallfahrtsstätten zugewiesen, um bei diesen Kapellen den Mesnerdienst zu verrichten und sich um das leibliche Wohl der Pilger zu kümmern.

So geschah dies auch bei der St. Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg. Der erste Eremit war Daniel Schmidt, Sohn eines Bamberger Schmieds, der 1696 auf den Berg zog und wohl ursprünglich in der „Querkeleshöhle“ lebte. Eine Klause wurde errichtet, in der die Einsiedler von nun an wohnen konnten, vor allem aber um die Lebensmittel, die sie den Wallfahrern anbieten sollten, vor wilden Tieren zu schützen.

Berühmtester Eremit des 18. Jahrhunderts war Jakob Hess (um 1694–1766), der nach dem Siebenjährigen Krieg das „Heilige Grab erstmals zur Osterzeit in der Kapelle errichtete.

Johann Hennemann erblickte am 26. Februar 1824 in Oberleiterbach, heutiger Einsiedler-Ivo-Straße 3, das Licht der Welt.

Er wollte Eremit werden und trat im Juli 1853 der Eremitenkongregation in Bayern bei. Dabei musste er sich einer siebenmonatigen Ausbildung in Vilsbiburg, einem Noviziat beim „Altvater“, dem Vorstand der Ordensgemeinschaft, unterziehen.

Auf die Stelle am Staffelberg bewarb sich Hennemann, der mittlerweile den Ordensnamen Ivo – nach dem hl. Ivo von Cornwall – angenommen hatte, am 8. November 1855. Er wollte sein ganzes Erspartes dafür aufwenden, die dortige Klause ansprechend herzurichten. Am 8. Februar 1857 wurde er in Vierzehnheiligen eingekleidet, d.h. er erhielt als „Habit“ die schwarze Kutte.

So traf ihn auch im August 1859 Victor Scheffel (1826–1886), der Dichter der Frankenhymne „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein …“, bei der Klause an, und widmete dem Einsiedelmann zwei seiner sechs Strophen des Liedes „Wanderfahrt“. Die einprägsame Melodie, welche der Würzburger Valentin Becker (1814–1890) dazu schrieb, und die heiteren, lebenslustigen Texte, machten das Lied weit und breit berühmt.

Da war es mit der Einsamkeit auf dem Berg vorbei: Aus ganz Deutschland strömten die Pilger und Wanderer nach Staffelstein, um den Eremiten Ivo auf dem Staffelberg kennen zu lernen. Damit begann der Fremdenverkehr am Obermain, und Hennemann konnte mit den Einnahmen, welche die Besucher zurückließen, an die St. Adelgundis-kapelle den Glockenturm anbauen (1871), die Klause neu errichten (1883) und die Kapelle innen renovieren (1894).

Der Einsiedler ließ sogar Fotos von sich schießen und davon für den Verkauf Postkarten drucken, welche er dann auch mit „IVO EREMIT“ und der Jahreszahl signierte – die ersten Autogrammkarten entstanden!

Der Zustrom war so groß, dass die Familie Rudel aus Romansthal ihm bei der Verköstigung der Besucher helfen musste. Man beantragte 1896 eine Konzession für eine Bierwirtschaft in der Mesnerwohnung „zum Ausschank von Bier, Branntwein und Mineralwasser“, der Weinausschank des „Löwenthalers“ folgte erst 1899.

Dieser Trubel wurde Ivo Hennemann zu viel: Er verließ am 9. Oktober 1897 den Berg und zog einige Zeit später in sein Geburtshaus nach Oberleiterbach. Dort starb er am 11. September 1900 und wurde auf dem alten Kirchhof neben der Kirche begraben.

Ivo Hennemann blieb den Zeitgenossen aufgrund seiner Güte, Bescheidenheit und Freundlichkeit im Gedächtnis.

So berichtete der Gößweinsteiner Lehrer Karl Brückner Ende der 1870er-Jahre:

Ungebeten brachte uns der Gute auf zinnernem Teller Schwarzbrot und reichlich Salz, und ward der Gastgeber inne, dass die Moneten für ein Fläschlein Bier nicht reichen wollten, so kredenzte er noch eins und meinte: ‚Reichere werden’s schon amal mitzahln!‘“

Der Staffelsteiner Josef Hofmann erzählte noch 1926 über „die kleine untersetzte Gestalt“:

Welcher Jubel herrschte in den damaligen Holpergassen Staffelsteins, wenn der ‚Ivo‘ sich zeigte. Mit Freudengeschrei wurde er von Büblein und Mägdlein umringt und nicht eher freigegeben bis er alle mit einem Ringlein oder Bildlein bedacht hatte. Daran schloss sich stets die väterliche Mahnung, folgsam zu sein!“

Die Oberleiterbacher Bevölkerung überlieferte noch 1972:

„Wenn nun der Menschenkenner Ivo einem Gast die Wohlhabenheit und Menschengüte anmerkte, der Gast ein größeres Geldstück, vielleicht einen Taler, oder gar ein Goldfüchslein auf den Tisch legte, ließ Ivo mit einem ‚Vergelt’s Gott‘ die Münze in den unergründlichen Taschen der Kutte verschwinden. […] Kamen dann Studentlein mit großem Durst, schmalem Beutel und dem schüchternen Wunsch nach einem Glas Wasser, so brummte er in seinen Bart:

        ‚Wasser ist hier klemm, aber das Bier ist gut!‘

Mit schäumenden Krügen aus Felsenkellerstiefe erfrischte er, und ein munteres Liedlein nahm er als einzige Bezahlung entgegen.“

 

Quellen:

Günther Dippold:

  • Die Staffelberg-Eremiten, in: Der Staffelberg Bd. 2, 1994, S. 33-58, insb. S. 40-43.
  • Ivo Hennemann (1824–1900), in: Lebensbilder (Hg. Günter Dippold/Alfred Meixner, Staffelsteiner Schriften Bd. 11), Staffelstein 2000, S. 129-133.

 

Georg Gunzelmann:

  • Ivo Hennemann aus Oberleiterbach. Der Einsiedelmann vom Staffelberg im Spiegel zeitgenössischen Schrifttums, in: Pfarrei Kirschletten 1698–1998, S. 95-110.